Unsere Gemeinde Neudietendorf

Wappen von Neudietendorf
Land: Thüringen
Landkreis: Gotha
Einwohner ca.: 3100
Ortsteile: Kornhochheim





Neudietendorf mit seinem Ortsteil Kornhochheim erstreckt sich auf einem Gebiet nördlich und südlich des Flusses Apfelstädt und hat eine Flächenausdehnung von insgesamt etwa 740 Hektar. Der Ort "Dietendorf" wurde erstmalig im Jahre 1147 in Verbindung mit dem Adelsgeschlecht von Dietendorf (Günther von Dietendorf und seine Söhne waren Zeugen bei der Bestätigung des Nonnenklosters Ichtershausen durch den Mainzer Erzbischhof Heinrich) urkundlich erwähnt.

Das Ritterlehngut "Altenhof" kam im Jahr 1306 in den Besitz der Herren von Wittern. Aufständische Bauern zerstörten in den Bauernkriegen diesen Rittersitz. Die Wirren des 30-jährigen Krieges (1618-1648) brachten große Not über die Bewohner von Dietendorf. Die Menschen starben vor Hunger, und ihre Wohnhäuser wurden fast alle zerstört. Weitsichtige Ortseinwohner zogen damals (1667) einen wichtigen Schluss. Die mit vielen Holzteilen erbauten Häuser wurden im Falle eines Brandes sehr schnell ein Raub der Flammen. Deshalb organisierten sie - wie urkundliche Hinweise belegen - eine Feuerbekämpfung. In dieser Zeit spielte auch der Anbau der Färbepflanze Waid in Dietendorf eine große Rolle. In über 300 Dörfern Thüringens wurde damals diese Pflanze gesät, geerntet und verarbeitet.

Im Jahre 1734 erwarb Gustav Adolph Graf von Gotter den "Altenhof", worauf die Gründung eines neuen Ortes "Neu-Dietendorf" nördlich der Apfelstädt erfolgte. Die ersten Mitglieder und Freunde der Herrnhuter Brüdergemeine siedelten sich im Januar 1743 an. Nach der Überwindung anfänglicher Schwierigkeiten mit dem Gothaer Oberkonsistorium nahm die "Kolonie der Brüdergemeine" eine gute Entwicklung. Das Brüder- und das Schwesternhaus wurde zum Ausgangspunkt gewerblichen Fleißes. Die beiden Ortsteile Dietendorf und Neu-Dietendorf bildeten sich zu einem interessanten Wirtschaftsgebiet im Herzogtum Gotha heraus. Besonders die Herrnhuter Brüdergemeine trug die Gründung von Manufakturen (Aromatique-Fabrikation, Siegellackherstellung, Weberei und Färberei, Brauerei, Tischlerei und Schmiede) zu einem schnellen Aufstieg bei. Mit dem Anschluss des Ortes an das Streckennetz der Thüringer Eisenbahn (1847) wurde ein "Tor zur Welt" aufgestoßen. Für Waren aus Süd-, West- und Ostdeutschland stellte sich der Güterbahnhof als wichtiger Rangierplatz dar. Mit dem fortschreitenden Ausbau des Personen- und Güterbahnhofes als Eisenbahnknotenpunkt wandelte sich die soziale Struktur des Ortes. Neudietendorf wurde zu einem Industriestandort, der mit dem deutschen Post- und Telefonnetz (1899) in Verbindung kam. Bedeutung erlangte Neudietendorf auch als Schulort. Eine höhere Mädchenschule (heute Gymnasium), eine Haushaltsschule und später die Erste Thüringer Bauernhochschule prägten das geistig-kulturelle Leben. Neudietendorf zog Persönlichkeiten wie den Schriftsteller Prof. Herman Anders Krüger (1871-1945), die Schriftstellerinnen Frieda und Margarethe von Bülow sowie Ärzte und Wissenschaftler an. Die heutige Gestalt der Gemeinde Neudietendorf hat sich aus der Zusammenlegung von Dietendorf und Neudietendorf (1933) sowie dem Anschluss von Kornhochheim (1974) ergeben.

Der wirtschaftlich und kulturell aufstrebende Ort liegt im Städtedreieck Erfurt, Gotha, Arnstadt. Zusammen mit der Grund- und Regelschule "Prof. Herman Anders Krüger", dem Gymnasium, der Evangelischen Akademie Thüringen und dem "Haus der Parität" bildet Neudietendorf auch den Mittelpunkt der Verwaltungsgemeinschaft.

Nach der Vereinigung Deutschlands vollzog sich seit 1990 ein tiefgreifender wirtschaftlicher Wandel. Sichtbarer Ausdruck der Veränderungen ist das südlich von Kornhochheim geschaffene Gewerbegebiet "Süd". Mit der Eröffnung des REWE-Logistik-Zentrums wurde nicht nur ein bedeutendes Unternehmen in der Gemeinde angesiedelt, sondern vor allem mit der Schaffung von etwa 450 Arbeitsplätzen der angespannte Arbeitsmarkt entlastet. Viele Bürger Neudietendorfs und der Umgebung fanden eine neue Arbeitsstelle. Mit der Ansiedlung auswärtiger Firmen und der Errichtung einer neuen Tankstelle entwickelt sich das Gewerbegebiet zu einem wichtigen und bevorzugten Wirtschaftsstandort der Gemeinde. Seine Bedeutung ergibt sich u.a. aus der günstigen Verkehrssituation: der unmittelbaren Verkehrsanbindung an die Autobahn A4, der Nähe zum Eisenbahnknotenpunkt Neudietendorf der Deutschen Bahn AG und dem wenige Kilometer entfernten Flughafen Erfurt. Diese exponierte Verkehrslage wird sich durch den Bau der Thüringer Wald-Autobahn zweifellos weiter verbessern.

Mit der Spirituosenfabrik Aromatique GmbH konnte eines der bedeutendsten Neudietendorfer Erzeugnisse, der Aromatique, den Sprung in die Marktwirtschaft meistern. Das Neudietendorfer Produkt steht inzwischen in den Regalen von zwanzig Handelsketten und Fachgroßhändlern.

Seit der Gebietsreform in Thüringen (1994) gehört Neudietendorf wieder zum Landkreis Gotha. Heute leben in Neudietendorf einschließlich dem OT Kornhochheim etwa 3.220 Einwohner, die nicht zuletzt von den bereits bezogenen Wohngebieten "Am Stieg" und "Flurzaun" profitieren. Gegenwärtig werden im Süden der Gemeinde "Am Berge" weitere Grundstücke für den Wohnungsbau erschlossen.

Streifzüge durch den Landkreis Gotha, Landratsamt Gotha, Dezember 1999

Quelle: www.ndfnet.de